Kommentare moderieren – Pro & Contra

Kommentare sind toll! Sie sind Feedback, Kritik, Dank, Inspiration, Hilfe oder einfach nur gute Unterhaltung. Meistens. Auf jeden Fall sind Kommentare das Salz in der Suppe eines Blogs. Ich behaupte mal, fast jeder Blogger möchte, dass die Leser seine Artikel kommentieren. Erst durch diese Interaktion wird ein Blog lebendig. Und ich finde übrigens auch, dass Kommentare in Blogs gehören und nicht zu Google+ oder Facebook ausgelagert werden sollten.

Wer ein Blog betreibt und Kommentare von seinen Lesern erhält, steht irgendwann vor der Frage, ob er die Kommentare der Besucher moderieren möchte oder nicht. Moderieren bedeutet, dass jeder Kommentar zunächst von einem Administrator geprüft und manuell genehmigt werden muss, bevor er für alle Besucher des Blogs sichtbar ist. Eine etwas weniger restriktive Moderation kann auch erlauben, dass Kommentare von Besuchern sofort genehmigt werden, sofern sie schon mindestens einen genehmigten Kommentar geschrieben haben.

Ich moderiere sowohl in meinen eigenen Blogs pabstwp.de und pabst-photo.com als auch in einigen Blogs von Freunden, Kollegen und Kunden die eingehenden Kommentare. Daher habe ich relativ häufig mit dem Thema zu tun und stelle mir immer wieder die Frage:

Was ist besser? Kommentare moderieren oder automatisch genehmigen?

Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten und hängt stark von dem jeweiligen Blog, seinen Inhalten und seinen Lesern ab. Ein Unternehmen beispielsweise wird sicher die vollständige Kontrolle darüber haben wollen, welche Inhalte auf seiner Website veröffentlicht werden. Und bei einem Blog mit politischen Themen kann es notwendig sein, die Kommentare vor der Veröffentlichung auf unsachliche, anstößige, rassistische oder anderweitig inakzeptable Inhalte zu prüfen. Bei einem Blog für Landschaftsfotografie hingegen wird das Moderationsbedürfnis eher gering sein.

Als Entscheidungsgrundlage, wann Moderation sinnvoll ist, könnte eine kleine Auflistung der „Pro“ und „Contra“ helfen. Unüblicherweise fange ich mal mit dem Contra an, da das die Punkte sind, die mich immer wieder beschäftigen.

Contra

1. Diskussionsbremse

Diskussionen werden ausgebremst, wenn nicht alle Kommentare sofort sichtbar sind. Das ist der Punkt, der für mich am meisten gegen eine Kommentarmoderation spricht. In Blogs mit vielen Lesern und diskussionsfähigen Artikeln finde ich es wichtig, dass Kommentare zeitnah freigeschaltet werden. Im besten Fall sofort oder innerhalb weniger Minuten. Aus der Erfahrung weiß ich aber, dass selbst mehrere Kommentarmoderatoren es nicht immer schaffen, Kommentare zeitnah zu genehmigen. Und ein 24/7-Moderationsteam, dass permanent die Warteschlange prüft, können sich nur einige wenige Blogs leisten.

2. Zensur

Werden Kommentare moderiert, muss sich der Betreiber des Blogs unter Umständen vorwerfen lassen, dass er kritische Meinungen unterdrückt, indem er Kommentare nicht genehmigt. Ich rede hier nicht von SEO- und Spamkommentaren. Die fliegen sowieso raus. Es geht um Kommentare, die sich kritisch mit dem Inhalt der Artikel auseinandersetzen oder vielleicht sogar den Autor des Artikels angreifen. Bei Autoren, die zu ihren Artikeln stehen und auch mit harter Kritik umgehen können, ist dieser Vorwurf sicher unbegründet. Aber er steht halt im Raum und hinterlässt eventuell einen faden Nachgeschmack, denn für den Leser ist es nicht ersichtlich, ob alle Kommentare anderer Leser veröffentlicht oder vielleicht welche gelöscht werden.

3. Zusätzlicher Arbeitsaufwand

In Blogs mit vielen Kommentaren kann die Moderation viel Zeit beanspruchen. Wenn der Betreiber des Blogs nicht ständig online ist und den Eingang neuer Kommentare prüft, kann es notwendig sein, mehreren Personen den Zugriff auf die Kommentare zu geben.

Pro

1. Inhaltliche Kontrolle

Texte und Links können vor der Veröffentlichung vollständig geprüft werden. Dies ist vor allem wichtig, wenn aus bestimmten Kommentaren rechtliche oder wirtschaftliche Konsequenzen drohen können. Als Websitebetreiber ist man für alle Inhalte der Website verantwortlich – also auch für die von Lesern geschriebenen Kommentare. Aus wirtschaftlichen Gründen ist die Moderation z.B. empfehlenswert, wenn man Sponsoren hat und diese schützen möchte. Unerwünschte Kommentare können entweder komplett gelöscht werden oder man ersetzt den Inhalt mit einem Hinweis wie „Kommentar von Redaktion gelöscht. Bitte sachlich kommentieren!“

2. Keine SEO-Kommentare

Kommentare, die nur darauf abzielen, eine Verlinkung zu erhalten oder die Besucher des Blogs aus kommerziellen Gründen auf eine andere Wesbite zu locken, werden oft nicht von Antispam-Plugins erkannt, da sie von echten Personen geschrieben werden. Bei aktiver Moderation können diese herausgefiltert werden. Sollte so ein Kommentar jedoch auch einen relevanten Inhalt zum Artikel beitragen, kann er auch „entschärft“ werden, indem man nur die Links zu anderen Websites löscht.

3. Diskussionsbremse

Es kommt nicht selten vor, dass Diskussionen plötzlich eine gewisse Eigendynamik entwickeln und dem Blogartikel eher schaden als nützen. Das kann passieren, wenn nicht mehr über das eigentliche Thema des Artikels diskutiert wird oder sich der Ton verschärft und die Kommentatoren sich gegenseitig angreifen. Möchte dies der Blogbetreiber nicht, kann er durch das verzögerte Genehmigen solcher Kommentare die Diskussion ausbremsen und/oder durch einen eigenen Kommentar wieder in die gewünschten Bahnen lenken. Auch Trollen kann man so einigermaßen erfolgreich den Wind aus den Segeln nehmen.

4. 100% Spamschutz

Es gibt zwar viele, hervorragende Antispam-Plugins, wie z.B. die Antispam Bee von Sergej Müller, aber auch da kann es vorkommen, dass mal ein Kommentar nicht korrekt gefiltert wird. Wenn aber jeder Kommentar von einem Administrator genehmigt werden muss, kann man diese noch manuell aussortieren und es landet absolut kein Spam im Blog.

Fazit

Es gibt keine allgemein gültige Empfehlung, ob Kommentare moderiert werden sollen oder nicht. Zusammenfassend kann man jedoch sagen, dass für die Moderation die höhere Qualität der Kommentare und gegen die Moderation der höhere Zeitaufwand stehen.

Tipps

1. Moderation abgeben

Wenn ein Blogbetreiber genügend personelle Resourcen (Mitarbeiter, Kollegen, Freunde) hat, ist es empfehlenswert, die Kommentare von Nicht-Autoren genehmigen zu lassen. Jemand, der nicht der Autor eines Artikels ist, betrachtet kritische Kommentare normalerweise objektiver und nimmt sie weniger persönlich.

2. Soziale Netzwerke einbinden

Mit Diensten wie Facebook Comments, Disqus oder IntenseDebate gibt es die Möglichkeit, die Kommentare in soziale Netzwerke einzubinden. Da Leser sich hier zum Kommentieren anmelden müssen und nicht anonym kommentieren können, kann die Qualität der Kommentare höher sein. Als Nachteil sehe ich aber, dass man sich von einer Plattform abhängig macht und eventuell auch einen datenschutzrechtlich fragwürdigen Weg beschreitet. In jedem Fall sollte man darauf achten, dass die Kommentare nicht nur bei dem verwendeten Dienst, sondern in Kopie auch in der eigenen Datenbank gespeichert sind. So kann man sich im Zweifel schnell wieder von einem Dienst trennen ohne dabei alle Kommentare zu verlieren.

3. Apps verwenden

Für WordPress-Blogger gibt es WordPress-Apps für alle möglichen mobilen Endgeräte, mit denen man schnell und unkompliziert auch unterwegs Kommentare freischalten kann.

4. Benachrichtigung per E-Mail

Kann ich nur kleinen Blogs mit überschaubarem Kommentaraufkommen empfehlen. Bei größeren Blogs kann das schnell nervig werden.

5. Auf die Gewohnheit vertrauen

Wenn die Leser eines Blogs wissen, dass ihre Kommentare immer geprüft werden, ist die Qualität der Kommentare normalerweise relativ hoch, der Ton freundlich und Trolle sind eher selten zu sehen. Daher kann man hin und wieder bei einem Artikel auch mal die Moderation temporär aufmachen und alle Kommentare sofort durchlassen und später prüfen. Das bietet sich an, wenn man in kurzer Zeit extrem viele Kommentare erwartet, die wenig Konfliktpotential enthalten. Beispiel: Leser können per Kommentar an einem Gewinnspiel teilnehmen.

6. Trolle nicht füttern!

Ist eigentlich klar aber es kann nicht schaden, vor allem neue Leser darauf hinzuweisen.

Eure Meinung?

Wie seht ihr das Thema? Gibt es noch weitere Gründe, die für oder gegen die Moderation von Kommentaren sprechen? Welche Erfahrungen habt ihr bisher mit der Kommentarmoderation gemacht?

In diesem Sinne: Frohes Kommentieren! 🙂

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15 Kommentare

  1. Was ist denn z.B. mit IntenseDebate, braucht man damit dann überhaupt noch einen anderen Spamfilter wie Askismet oder AntispamBee?

    1. Da IntenseDebate ein Service von Automattic ist, bietet es natürlich optionalen Spam-Schutz via Akismet. Aber auch ohne Spamfilter dürfte das Spamaufkommen aufgrund der Anmeldung ziemlich gering sein. Ich teste zur Zeit auf notizen.matthiaspabst.de Livefyre und auf pabst-photo.com Disqus. Auf beiden Blogs habe ich seit der Aktivierung der Kommentarsysteme keine Spam-Kommentare mehr erhalten. Und gerade bei pabst-photo.com war es vorher wirklich viel. Hurra! Ich überlege derzeit, ob ich Livefyre auch hier im Blog aktiviere. Ein paar Gedanken dazu gibt es hier.

  2. Hallo Matthias,
    danke für Deinen Kommentar auf meinem Blog: http://www.alexanderstocker.at/2012/03/kommentrare-in-blogs-zulassen-ja-oder.html

    Als Kommentator eines Blogs möchte ich, dass mein Beitrag sofort erscheint, während der Blogger möglichst saubere und konfliktfreie Inhalte will. Hier sehe ich einen Zielkonflikt.

    Wenn zwischen der (möglichen) redaktionellen Prüfung und dem Erstellen des Beitrags zu viel Zeit verstreicht, dann stört mich das als Kommentator prinzipiell, d.h. wenn schon Prüfung, dann möglichst schnell. Sonst leidet die Kommentarkultur darunter.
    lG
    Alexander

    1. Das stimmt. Dieser Zielkonflikt ist auf jeden Fall vorhanden. Ich denke aber, es kommt auch darauf an, wie es die Leser gewohnt sind. Dass eine redaktionelle Prüfung aller Kommentare (z.T. auch zeitverzögert) nicht unbedingt Diskussionen verhindert oder unterdrückt, zeigen viele Artikel auf kwerfeldein.de. Ein gutes Beispiel ist dieser Artikel.

  3. Ich bekomme auf meinem kleinen Blog nicht sehr viele Kommentare. Die paar Spams kann ich löschen, wenn ich die Benachrichtigung gelesen habe. Bis jetzt (in 7 Jahren) war nichts dabei, das mich komprimittiert hätte, wenn es ein paar Tage im Blog stand.

  4. @stef: Ich habe Sergejs Biene im Einsatz im Einsatz. Damit klappt’s auch mit dem Nachbarn und die Moderation kann ich mir sparen. Leider nehmen die Kommentare zu, die ich zwar nicht gleich als SPAM betrachten will, die aber auch „nur“ der Eigenwerbung dienen.

  5. Bei der Anzahl recht überschaubarer Kommentare in meinem Blog habe ich mich auf die hier erwähnte etwas weniger restriktive Variante mit der Moderation des Erstkommentars angefreundet.

    Ein gut funktionierender Spam-Schutz ist natürlich Pflicht, ansonsten ist das nicht mehr zu bewerkstelligen.

  6. Ich mache alles öffentlich 🙂 Aber Google+ ist ja doch nur für angemeldete Nutzer (jedenfalls am Stück) sichtbar. Mir würde gefallen, wenn die Plattformen besser zu verschmelzen wären. Vielleicht kommt das ja noch mal.

    Dein Blog habe ich heute erst bei Perun gefunden und den Feed gleich mal gebunkert.

  7. Danke für den schönen Artikel. Das Thema hatte ich auch erst gerade in meinem Blog. Allerdings war es eine Variante, die hier nicht vorkommt. Ich hole mir per Plugin die Kommentare aus Google+ ins Blog — mit den dazugehörigen Artikeln, versteht sich 🙂 Das finden auch nicht alle LeserInnen gut, wenn plötzlich ihre in Google+ abgegebenen Kommentare in einem Blog erscheinen. Aber es gab bei mir bisher dazu erst 2 Beschwerden. Ich konnte die Leute beschwichtigen. Das Plugin wird von vielen BloggerInnen eingesetzt. Auch darauf habe ich in meinen Stellungnahmen verwiesen.

    Zu deiner Frage: Ich glaube, dass die Moderation von Kommentaren ab einer bestimmten Bloggröße sinnvoll und auch angezeigt ist. Bisher habe ich es geschafft, darauf zu verzichten. Übrigens habe ich auch schon Erfahrungen mit disqus gesammelt. Technisch funktioniert das gut. Allerdings habe ich die Lösung mit dem Einsatz eines responsive Designs wieder aufgegeben. Auch die Performance war nicht gleichmäßig gut.

    1. Danke für die Antwort.
      Wenn du die Kommentare von G+ in dein Blog holst, gibt es doch eigentlich keinen Grund zur Beschwerde. Ich nehme an, deine Posts auf G+ sind öffentlich und somit auch die Kommentare. Naja, der eine oder andere sieht das vielleicht anders. Gut, dass du die Situation klären konntest.

      Ich würde die Notwendigkeit der Moderation gar nicht so sehr am Kommentaraufkommen fest machen. Je nach dem, welche Themen der Blog behandelt, können auch wenige Kommentare schon viel Schaden anrichten. Siehe „Pro“ Punkt 1.)

      Über Kommentarsysteme werde ich vielleicht in Kürze hier mal noch ein paar Zeilen schreiben.

  8. Pingback: Linktipps — QuerBlog
  9. Hey,
    als Blog-Betreiber mit 50,000 Artikeln von 1.000 subscribern und einigen hundert Autoren mit 350.000 Kommentaren ist es nicht mehr möglich, alles zu moderieren oder zu editieren. Der spam filter mittels Black-List hält zwar die Schlimmsten raus, aber es gibt auch automatisierte Talks, sogenannte S-Talker, oder S-Cammer die sich einschleichen. Da hilft es, die Tiefe der “verclusterten” Kommentare einzuschränken (auf sagen wir mal 5). Dann gibt es die qualifizierten Essays als Autoren-samlungen, die sich mit eigenen Kommentar-feeds ihren “social proof” gleich mitliefern. Das zu unterbinden ist schwierig, es hilft, ab und zu eigene Website-Links oder Banner einzubinden, besonders bei “scheduled” articles. Dann ist noch das Sticky-tool zu nehmen für eigene Beiträge und die Einschränkung der sichtbaren neuen Artikel mitsamt ihrer Kommentare. Um die Übersicht zu behalten kann ein widget “most recent articles” die am meisten kommentierten Beiträge aus der Mc-TAG und Mc-Cat -Wolke herausheben.
    …..

    Liebe Grüße-
    Uwe

  10. Da, ich ja weiß, dass Du aus einiger Erfahrung sprichst, und ich auch schon mal den ein oder anderen Flamewar miterlebt habe, kann ich Dir nur zustimmen.

    Man muss wirklich je nach blog unterscheiden. Ich würde fast sagen, je höher die Reichweite, desto wahrscheinlicher ist es, eine Moderation zu empfehlen.